Mehr Typographie fürs Web!

Beim Thema „Webdesign und Typographie“ hat sich in den letzten Monaten einiges zum Besseren entwickelt. Auch wenn es bereits zuvor verschiedene Ansätze gab, um für Websites auf eine größere Schriftenvielfalt zurückgreifen zu können, zeichnen sich erst jetzt echte Lösungen ab, die in allen aktuellen Browsern funktionieren - ohne gleichzeitig deutliche Nachteile zu haben.

Dank der aktuellen Entwicklung können Webdesigner auf Fonts jenseits von Arial, Verdana und Georgia zugreifen und haben deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Damit hält Stück für Stück endlich eine wichtige Design-Disziplin Einzug ins Web, die Typographie.

Technische Hürden und Lizenzfragen

Bisher erschwerten hauptsächlich zwei Faktoren den Einsatz von Schriften im Netz: die technischen Rahmenbedingungen - wie fehlende Browserunterstützung und uneinheitliche technische Konzepte - sowie lizenzrechtliche Hürden. Oft waren die Lizenzbestimmungen für Schriften unklar oder die Lizenzgebühren zum Teil sehr hoch.

Für beide Punkte gibt es inzwischen Lösungen. Auf technischer Seite können Webdesigner nach und nach tatsächlich damit beginnen @font-face zu verwenden. Diese Style-Sheet-Angabe existiert zwar schon länger, aber sie war in der Praxis bislang kaum einsetzbar, da die nötige Browserunterstützung fehlte. Mittlerweile jedoch unterstützten aktuelle Browser @font-face. Zum anderen haben viele Schrifthäuser Angebote für das Web entwickelt. Sie bieten passende Lizenzierungsmodelle für ihre Schriften an und stellen immer mehr Fonts in speziell für den Webeinsatz entwickelten Dateiformaten zur Verfügung.

@font-face-Technologie als Lösung

Der Vorteil und die Grundfunktion von @font-face ist, dass Websites nicht nur auf Schriften zugreifen können, die auf dem Rechner des Benutzers vorhanden sind, sondern auch auf Schriften, die auf dem Server des Websitebetreibers hinterlegt sind. Somit sind Webdesigner nicht mehr auf den kleinsten gemeinsamen Nenner an weltweit installierten Schriften angewiesen. Sie können ganz spezifische Fonts an den Betrachter einer Website ausliefern.

WOFF-Dateien verhindern Schriftendiebstahl

Ein rechtlicher Knackpunkt bei der Verwendung von @font-face und dem damit verbunden Font-Linking war bisher, dass ein Benutzer die bereitgestellten Fonts mit etwas technischer Kenntnis relativ leicht aus dem Browser-Cache auslesen konnte. Damit konnte er einen kompletten Schriftsatz ganz nach Belieben, beispielsweise auch für Print-Produkte verwenden. Das ist natürlich nicht im Sinne der Schrifthäuser.

Um dieses Problem zu umgehen, gibt es spezielle Formate, sogenannte WOFF-Dateien, die für die Verwendung im Web optimiert wurden und das Font-Linking lizenzrechtlich ausdrücklich zulassen. Technisch ähnlich sind die EOT-Dateien für die Verwendung im Internet-Explorer. Mit beiden Font-Formaten lassen sich die aktuellen Generationen von Firefox und Internet-Explorer bedienen. Google Chrome, Opera & Co. haben eine Unterstützung angekündigt. Beide Datei-Formate, WOFF und EOT, lassen sich nur für die Anzeige auf Webseiten einsetzen und verhindern somit die allzu freie Verwendung lizenzpflichtiger Schriften.

Neu entwickelte Webservices wie Typekit oder Google Font API machen das Einbetten und die rechtliche Verwaltung der Schriften noch einfacher und decken alle aktuellen, gängigen Browser ab (inklusive Safari und Opera). Das bringt allerdings eine gewisse technische Abhängigkeit von den Anbietern mit sich. Für Typekit müssen Webseitenbetreiber in der Pro-Version eine - fair berechnete - jährliche Gebühr entrichten. Die Google Font API ist kostenfrei, verfügt aber standardmäßig nur über eine sehr begrenzte Anzahl an Freeware-Fonts.

Noch besser sind die Rahmenbedingungen für Unternehmen, die ohnehin die Rechte an einer eigens entwickelten Hausschrift besitzen. Sie sollten allerdings ebenfalls nur eine WOFF- und EOT-Variante ausliefern oder auf einen Dienst wie Typekit zurückgreifen, um ein völlig freies Kopieren der Schrift zu verhindern.

Neue Gestaltungsmöglichkeiten mit Schriften

Dank der neuen typographischen Möglichkeiten lässt sich die Gesamtwirkung und Tonalität einer Website sehr gut beeinflussen und Typographie deutlich besser als bisher als Stil- und Gestaltungselement einsetzen. Dieser Bereich war im Internet – anders als im Printbereich – in der Vergangenheit noch stark unterentwickelt. Auch eine bessere, einheitlichere Umsetzung der optischen Identität eines Unternehmens oder einer Marke ist nun im Web möglich.

Die neue Technologie ist prädestiniert, um große Schriftgrade in Headlines und Schrift einzusetzen, aber natürlich auch für Fließtexte. Für den Fließtext ist allerdings nach wie vor gestalterisches Fingerspitzengefühl gefragt, denn nicht jede Schrift funktioniert in kleinen Größen auf dem Bildschirm. Das müssen Webdesigner im Einzelfall - insbesondere was Gesamtwirkung und Lesbarkeit auf verschiedenen Endgeräten betrifft - testen und abwägen. Viele der neuen WOFF/EOT-Fonts sind jedoch bereits für den Screen-Einsatz optimiert.

Genau wie bei den herkömmlichen Schriften, die zurzeit auf Websites zu finden sind, ist zu beachten, dass jeder Browser und jedes Betriebssystem die Fonts etwas unterschiedlich rendert. Eine exakt gleiche Darstellung der Schrift über alle Plattformen hinweg ist weiterhin nicht möglich.

Man darf gespannt sein, welche speziell für die Darstellung auf Screens entworfenen Fonts zusätzlich zu den bereits existierenden Schriften in den nächsten Jahren auf den Markt kommen werden. Dieses Feld war bislang - mangels Nachfrage - noch unterentwickelt.

Große Schriftauswahl für Webdesign

Schon jetzt bieten die Schrifthäuser zahlreiche Fonts im Webformat mit entsprechender Lizenzierung an. Viele der große Foundries müssen allerdings noch nachziehen, da einige Schrift-Klassiker leider noch nicht verfügbar sind (Helvetica, Frutiger, Futura, Garamond etc.). Ist man nicht auf eine bestimmte Schrift angewiesen, gibt es allerdings schon eine große Auswahl hochwertiger Fonts in unterschiedlichsten Ausprägungen und Stilen (mit Serifen, serifenlos, Slab-Serif, Deko-Schriftarten, Schreibschriften oder sogar Fraktur-Schnitte).

Vorteile für Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung

Ein weiterer großer Pluspunkt der neue Technologien ist, dass Text tatsächlich als Text in die Seite integriert ist - und nicht als Grafik oder Flash-Datei. Die Barrierefreiheit und die Lesbarkeit für Suchmaschinen sind dadurch nicht mehr beeinträchtigt.

Ein Blick auf die Kosten

Für die neuen Webfonts im WOFF oder EOT-Format fallen meist einmalige Lizenzgebühren pro Schriftschnitt an, die in der Regel deutlich unter den Lizenzgebühren für die Verwendung im Printbereich liegen. Die Preise sind dabei oft in drei Schritten gestaffelt: für kleine Websites, für Websites mittlerer Größe und für große Websites (gemessen am geschätzten Traffic).

Dienste wie Typekit werden für eine jährliche Lizenzgebühr angeboten, die sich nach Größe der Site in Pageviews berechnet. Im Jahrespreis sind die Lizenzen für alle in der Bibliothek des Anbieters geführten Schriften bereits enthalten.

Wir beraten Sie gerne!

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